Dieser Artikel beschreibt das Erstellen von Panoramen mit dem Open Source Programm Hugin. Hierbei handelt es sich um eine Panorama Software die auf den Panotools aufbaut und ihnen eine leicht zu bedienende Oberfläche gibt. Auf der Sourceforge Seite des Hugin Projektes gibt es für alle gängigen Plattformen Pakete zum Download.

Fotos aufnehmen

Die Fotos die ich hier als Beispiel verwende sind von der Rückseite des Bruchsaler Schlosses. Als Objektiv habe ich das Walimex 8mm Fisheye Objektiv benutzt. Prinzipiell ist es egal mit welchem Objektiv man die Fotos für ein Panorama erstellt. Der Vorteil von Weitwinkel- oder Fisheye Objektiven ist einfach, daß man weniger Bilder für eine 360° Ansicht benötigt.

Bei dem hier verwendeten Objektiv reichen sechs Aufnahmen im Hochformat um eine komplette Rundumansicht zu bekommen. Vorteilhaft ist die Benutzung eines Statives und einer Panoramaplatte um die gleichmäßige 6x60°. Ein Nodalpunktadapter ist nur dann wirklich notwendig, wenn sich Objekte relativ nah an der Kamera befinden. Man kann erste Versuche auch ohne machen.  

Je nach Anzahl/Auflösung der Bilder ist es sinnvoll nicht mit der kompletten Auflösung der Kamerabilder das Panorama zu erstellen. Um einen groben Überblick zu bekommen reicht oft auch eine kleinere Auflösung der Bilder. Das resultierende Panorama wird ansonsten viel zu groß.

Bilder in Hugin laden

Der erste Schritt in Hugin ist das Laden der Bilder. Hugin versucht anhand der EXIF Daten der Bilder das Objektiv zu bestimmen. Dadurch können die Verzerrungen des Objektives effektiv herausgerechnet werden. In meinem Fall handelt es sich zwar um ein vollformatiges Fisheye Objektiv, die Projektionsart des Objektives ist aber Stereographisch (wobei mit der Einstellung Fisheye Vollbild auch brauchbare Ergebnisse herauskommen).  

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Abbildung 1: Bilder laden

Nach dem Laden der Bilder versucht Hugin Kontrollpunkte zwischen den Bildern zu finden. Das sind Punkte die auf zwei verschiedenen Bildern die selbe Stelle darstellen. Gestartet wird das Finden der Kontrollpunkte über den Knopf "Ausrichten". Nachdem Hugin die Kontrollpunkte erzeugt hat wird eine schnelle Panorama Vorschau angezeigt. Mit der lassen sich einige Parameter des Panoramas beeinflussen.

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Abbildung 2: Schnelle Panorama Vorschau

Vorschau

Im Reiter Vorschau sieht man das Panorama wie es nach dem Zusammensetzen mit den aktuellen Einstelllungen aussehen würde.

Layout

Stellt die Bilder in einer Layout Ansicht dar. Die Verknüpfungen zwischen den Bildern wird als Linie dargestellt.

Projektion

Hier wird die Projektionsart des Panoramas eingestellt. Die gängigsten Projektionsarten sind dabei:

  • Spärisch/Equirectangular: Kugelpanorama, man sitzt in der Mitte einer Kugel und kann sich in allen Richtungen umsehen 360°x180°

  • Zylindrisch: Man sitzt im Mittelpunkt eines Zylinders und kann sich um 360° umsehen. Nach oben und unten ist der Blickwinkel beschränkt (ca. 360x120°)
  • Stereopraphisch: die bevorzugte Projektionsart um kleine Planeten zu erstellen. Dabei wird das erzeugte 360° Panorama quasi um den Nadir- oder Zenitpunkt zu einem Kreis transformiert

Alle weiteren Projektionarten sind Abwandlungen dieser Grundtypen. Die Standardeinstellung in Hugin ist "Sphärisch/Equirectangular".

Bewegen und Ziehen

In diesem Bereich lässt sich das Panorama auf die gewünschte Position verschieben. In diesem Fall wird das Schloss auf die Mitte zentriert. Je nachdem wo man die Bilderserie beginnt, kann das Hauptmotiv hier an unterschiedlichen Stellen erscheinen.

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Abbildung 3: Zentrieren des Schlosses

Über den Knopf "Ausrichten" erreicht man, dass alle Bilder ausgerichtet werden. Der Horizont sollte danach eine gerade Linie bilden. 

Beschnitt

Je genauer das Panorama aufgenommen wurde, umso weniger muß am Ende an den Kanten des Panoramas beschnitten werden. Über den letzten Reiter "Beschnitt" versucht Hugin den optimalen Beschnitt für das Panorama zu bestimmen. Gerade bei Bildern die man aus der Hand aufgenommen hat, kann es passieren dass hier ein größerer Beschnitt notwendig ist.

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Abbildung 4: Beschneiden des Panoramas

Nach dem Festlegen des Beschnitts kann man das Fenster schließen und die Ausgabeparameter des Panoramas festlegen.

Ausgabeparameter festlegen

Die Ausgabeparameter sind im Reiter "Zusammenfügen" des Hautfensters zu finden. Dort sieht man auch den sich ergebenden Bildwinkel und die Panoramagröße und kann bei Bedarf noch eine Korrektur durchführen. Für Standard Panoramen reicht die Panorama Ausgabe "Mit Belichtungskorrektur, niedriger Dynamikumfang". Alle weiteren Einstellungen beziehen sich auf die Ausgabe der Zwischendateien oder das Verhalten des Programms beim Entwickeln von HDR Panoramen. Als Dateiformat kann man noch zwischen JPG und TIFF wählen.

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Abbildung 5: Ausgabeparameter festlegen

Mit dem Knopf zusammenfügen erzeugt Hugin dann das gewünschte Panorama.

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Abbildung 6: Das fertige Panorama

Erweiterung zum Small Planet Panorama

Das fertig erstellte spärische Panorama ist ein prima Ausgangspunkt um daraus einen kleinen Planet zu erzeugen. Dazu wird einfach die Projektionsart auf stereographisch umgestellt und das Panorama zum Nadir- oder Zenitpunkt gekippt. Dadurch erhält man entweder einen Art Tunnel oder einen fliegenden Planeten.

Also "Ansicht - Schnelles Vorschaufenster" öffnen und die Projektionsart im Reiter Projektion auf "stereografisch" umstellen.

Danach lässt sich das Panorama über den Nickwinkel (Pitch) im Reiter "Bewegen und Ziehen" entsprechen kippen:

  • Nickwinkel +90°: Bewirkt ein Kippen des Panoramas zum Nadirpunkt (Boden ist Mittelpunkt des Bildes)
  • Nickwinkel -90°: Bewirkt ein Kippen des Panoramas zum Zenitpunkt (Himmel ist Mittelpunkt des Bildes)

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Abbildung 7: Einstellen des Nickwinkels

 

Abbildung 8: Nickwinkel +90°

 

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Abbildung 9: Nickwinkel -90°

Da das Fisheye Objektiv nicht ganz genau einen 180° Bildwinkel hat, entsteht am Nadir- bzw. Zenitpunkt eine schwarze Stelle. Diese lässt sich jedoch recht gut mit dem Kopierstempel in Gimp oder Photoshop retuschieren. Alternativ kann ein zusätzliches Bild die Informationen liefern.

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Abbildung 10: Das fertige Small Planet Panorama

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Abbildung 11: Das Tunnel Panorama retuschiert

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